Schweizer Hof zeigt neue Sonderausstellung „100 Jahre Rainer Dorwarth – Eine Retrospektive“

Selbstbildnis von Rainer Dorwarth

Am 22. November öffnet das Museum im Schweizer Hof ab 19 Uhr die Pforten zu einer neuen Sonderausstellung: Am 3. Oktober 2024 wäre der 2015 verstorbene Künstler Rainer Dorwarth 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund zeigt das Museum im Schweizer Hof einen Querschnitt seines facettenreichen Werks, das neben Aquarellen, Holzdrucken und Federzeichnungen zahlreiche weitere Techniken umfasst.

Dorwarths künstlerische Entwicklung greift zahlreiche Strömungen und Stile der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu den Anfängen des 21. Jahrhunderts auf. Er gewährte Einblicke in seine direkte innere und äußere Welt. Das bildende Gestalten war seine Sprache, durch die er sich ganz persönlich äußerte. Dies geschah sowohl mittels des Abstrakten wie auch in den gegenständlichen Motiven. Besonders die Stillleben faszinieren, weichen sie doch in ihrer Auswahl von den bekannten Werken der Alten Meister weit ab.

Anorganische Stillleben zeigen sich in kaltem Ton. Die Gegenstände, vorrangig „totes Material“, sind als aufgezählte Stücke aufgereiht und präsentieren sich zugleich doch individuell mit Eigencharakter: Flaschen, Bücher, verwelkte Blumen und Tierknochen stehen in ungewöhnlicher Komposition im Vordergrund der Darstellungen. Nicht selten scheinen die Gegenstände auf den Bildern – allen voran Zusammenstellungen zahlreicher Muscheln und Schnecken – zufällig gewählte Objektkompositionen zu sein.

Eine völlig andere Welt zeigen die zahlreichen späteren Blumen- und Landschafts-Stillleben in einem warmen Kolorit, die ab den ausgehenden 1980er Jahren angefertigt werden. Sie sind farbenfroh, voller Leben und Atmosphäre.

Der Realismus seiner Lehrer schwingt ein Leben lang in Rainer Dorwarths Kunst mit. Akte und Stillleben von Objekten auf Tischen oder an Stränden wirken realistisch bis greifbar, gleichzeitig schafft er vollkommen Abstraktes, in dem Gegenstände nur noch fragmentiert zu erahnen sind. Daneben zeigen zahlreiche Ölbilder und Aquarelle weite Landschaften. Die Inspiration dazu gewann Rainer Dorwarth auf seinen Reisen nach Israel, Frankreich, in die Toskana oder auch an den nahegelegenen Bodensee, an dem er Jahr für Jahr die Sommermonate verbrachte.

Der Künstler hat Brettener Wurzeln, lebte und arbeitete jedoch seit 1948 in Freiburg im Breisgau, wo er als erster Künstler der Familie ab 1949 mit der Immatrikulation an der Akademie der Bildenden Künste Freiburg seinen eigenen Weg beschritt. Hier erhielt er die Möglichkeit, unter namhaften Professoren wie Rudolf Dischinger und Adolf Strübe die Grundlagen des Handwerks kennenzulernen, die er schließlich ab 1950 für zwei Trimester in Paris an der Académie Lhote weiterentwickelte. Der Einfluss seines Lehrers, des bekannten Kubisten und Kunsttheoretikers André Lhote, zeigt sich besonders in seinen frühen Werken, die kubistische Tendenzen aufweisen. Dennoch bleibt Rainer Dorwarth zeitlebens, neben zeitweise bevorzugten abstrakten Gestaltungsweisen, der Freiburger Akademietradition – der gegenständlichen Kunst sowie der Neuen Sachlichkeit – verpflichtet.

Diese Ausstellung soll einen stillen Rückblick auf Rainer Dorwarths Leben und sein umfassendes wie zeittypisches Werk bieten. Die Schau läuft ab dem 22. November 2023 bis zum 1. April 2024 (Ostermontag). Die Öffnungszeiten sind: Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 Uhr bis 17 Uhr, Mittwoch 15 Uhr bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Voranmeldungen zur Vernissage bis zum 10. November per E-Mail an: schweizerhof@bretten.de. Weitere Informationen und das aktuelle Begleitprogramm für Groß und Klein gibt es bei der Tourist-Info Bretten oder online unter: www.erlebe-bretten.de.

Veröffentlicht am 07.11.2023

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